Grenouille et question

FAQ: Garantie und Gewährleistung – Wo ist der Unterschied, was sollte ich wissen?

Was ist Garantie und was ist Gewährleistung? Oft verwechseln Konsumenten die Begrifflichkeiten Garantie und Gewährleistung, was wir auch bereits mehrfach aus den Kommentaren entnehmen konnten. Wir versuchen euch mit dem nachfolgenden Beitrag die Unterschiede einmal möglichst einfach zu erklären und geben euch Hinweise, worauf ihr achten solltet.

Wo ist da aber nun der Unterschied?

Zusammengefasst: Bei der Garantie handelt es sich immer um eine freiwillige Leistung eines Herstellers, bei der Gewährleistung um eine gesetzliche Verpflichtung des Verkäufers gegenüber dem Kunden.

Garantie:

Garantie ist eine freiwillige vertragliche Leistung der Hersteller. Das bedeutet, der Hersteller ist davon überzeugt, dass sein Produkt einen gewissen Zeitraum ohne Probleme funktioniert und garantiert dies dem Kunden beim Kauf eines neuen Produktes. Die Garantie kann der Hersteller dabei im Wortlaut und Umfang auch verhältnismäßig frei bestimmen. Das heißt, jeder Hersteller kann für sich selber festlegen, welche Dauer und welchen Umfang die Garantie für sein Produkt haben soll.

Was bedeutet das:

So kann ein Automobilhersteller beispielsweise eine Garantie von einem Jahr auf alle technischen Bauteile geben und gleichzeitig eine von 10 Jahre auf Durchrostung. Gleichzeitig dabei aber Baugruppen und Teile (bspw. Verschleißteile wie Bremsen und Reifen) von der Garantie ausschließen. Ähnlich ist dies auch bei anderen technischen Produkten.

So sind an bei DVD-Playern, Fernsehern, Handys und vielen anderen Produkten in der Regel Überspannungen, unsachgemäße Nutzung und Feuchtigkeitsschäden in den Garantiebedingungen ausgeschlossen, ebenso Verschleisteile (Akkus bei Handys, etc.).

Ebenso kann die Handhabung und Abwicklung der Herstellergarantie völlig unterschiedlich sein. So tauscht der eine Hersteller ein Produkt beispielsweise einfach aus, ein anderer verlangt das Einsenden des Produktes zur Reparatur und wieder ein anderer schickt einen Techniker (meist bei Großgeräten, wie Kühlschränken, Waschmaschinen, …) zu euch.

Mögliche Stolperfallen der Garantie:

Hierbei können euch als Kunden auch Kosten entstehen, denn eine Garantie ist nicht zwangsläufig ein kostenloser Service. Manche Hersteller legen beispielsweise fest, dass die bei einer Reparatur anfallende Arbeitszeit zu Lasten des Kunden geht, da sich die Garantie nur auf die Bauteile des Produktes bezieht, nicht aber auf den Austausch.

Darüber kann man sich als Kunde im Reklamationsfall sicherlich aufregen, man muss jedoch immer im Hinterkopf behalten, dass der Hersteller bis auf wenige Vorgaben völlig frei in der Gestaltung der Garantiebedingungen ist. Die jeweils gültigen Garantiebedingungen legt der Hersteller dem Produkt in der Regel bei. Außerdem kann man auf den Webseiten vieler Hersteller diese Bedingungen auch schon vor einem Kauf nachlesen (macht nur kaum jemand).

Eigentlich macht das sogar durchaus Sinn. Insbesondere, da zwischenzeitlich viele Hersteller nur noch dann eine Garantie gewähren, wenn das neu gekaufte Produkt ganz offiziell durch den Käufer registriert wird. Normalerweise ist dies über die Webpräsenz des Herstellers möglich oder ganz klassisch auf dem Postweg. Hierzu liegen dem Produkt meist Postkarten (orange, grün, gelb) bei, die allerdings gerne achtlos übersehen und entsorgt werden. Das kann euch als Käufer später durchaus teuer zu stehen kommen.

Kaufbelege aufbewahren:

Ebenso ist die Herstellergarantie häufig nur dann gültig, wenn der Kunde den Kassenbon oder die Rechnung vorlegen kann. Es macht daher Sinn, diese im Haushalt an einer zentralen Stelle zu sammeln, so dass man diese im Fall auch zur Hand hat. Hat man diese nämlich nicht mehr, so ist man voll auf die Kulanz des jeweiligen Herstellers angewiesen. Beispielsweise das dieser anhand der Seriennummer nachschaut wann das Produkt gebaut wurde und ob sich dieses noch innerhalb der Garantiezeit befindet.

Ansprechpartner:

Der Ansprechpartner im Garantiefall ist grundsätzlich immer der Hersteller. In der Regel hilft jedoch auch der Händler gerne weiter, ist hierzu allerdings nicht verpflichtet. Die gültigen Telefonnummer für eine Reklamation finden sich normalerweise in den Garantiebedingungen und sollte man diese nicht mehr besitzen, meist auch auf der Webpräsenz des Herstellers.

Garantie nur für Erstkäufer:

Wie bereits geschrieben, kann der Hersteller seine Garantiebedingungen recht frei formulieren. So gehört bei vielen Herstellern zwischenzeitlich zu den Bedingungen, dass die Herstellergarantie ausschließlich für den Erstkäufer gilt. Verkauft der erste Käufer das Produkt also bereits nach 7 Monaten weiter (bspw. über eBay) so, hat der nachfolgende Käufer häufig keinerlei Garantieansprüche gegenüber dem Hersteller, selbst wenn der Hersteller eine Garantie von 12 Monaten auf das Produkt gibt.

Garantie, noch einmal zusammengefasst:

Da es sich bei der Garantie immer um eine freiwillige Leistung handelt, ist diese nicht gesetzlich vorgeschrieben. Das bedeutet, der Hersteller ist nicht verpflichtet dem Kunden überhaupt eine Garantie auf sein Produkt zu geben und kann die Bedingungen für eine Garantie weitgehendstes auch selber festlegen. Genau für diesen Fall hat der Gesetzgeber daher auch die Gewährleistung geschaffen.

Gewährleistung:

Gewährleistung ist in Deutschland gesetzlich geregelt und vorgeschrieben. Der gesetzlich festgelegte Gewährleistungszeitraum beträgt in Deutschland bei Neuware 2 Jahre und umfasst alle Mängel, die zum Kaufzeitpunkt schon vorlagen. Der Gewährleistungszeitraum beginnt mit dem Tag, an dem der Käufer die Kaufsache erhalten hat. Dies ist insbesondere wichtig beim Versendungskauf (Online Shopping), da sich hier ggf. Kaufdatum (Rechnungsdatum) und erhalt der Ware (Übergabe durch Postboten an der Haustüre) unterscheiden. Der Gefahrenübergagng ist in dem Fall nicht an der Haustüre, sondern bei Übergabe des Verkäufers an das Versandunternehmen, auch wenn ein gewerblicher Käufer immer das Versandrisiko trägt (beim Privat / Privat liegt das Versandrisiko übrigens beim Käufer).

Bei der Gewährleistung findet allerdings bereits nach 6 Monaten eine Beweislastumkehr statt. Was bedeutet dies für euch als Käufer? In den ersten 6 Monaten geht der Gesetzgeber grundsätzlich davon aus, dass der Mangel am Produkt beim Kauf schon vorlag. Will der Händler euch keine Gewährleistung gewähren, so muss er euch beweisen, dass der Defekt bei Kauf noch nicht vorgelegen hat und von euch als Käufer verursacht wurde. In der Regel kann dies der Händler nicht, außer bei ganz offensichtlichen Defekten (Handy in den Pool gefallen, offensichtlich Gewalteinwirkung, etc.). In diesen 6 Monaten wird das gekaufte Produkt daher in der Regel durch den Händler ersetzt oder repariert.

Nach diesen ersten 6 Monaten ab Kauf findet die bereits erwähnte Beweisumkehr statt und dann sieht es grundlegend anderes aus! In den nachfolgenden 1,5 Jahren der Gewährleistung müsst ihr als Käufer beweisen, dass der Defekt schon bei Kauf vorlag. Dies dürfte euch als Käufer genauso schwer fallen, wie dem Händler in den ersten 6 Monaten.

Effektiv bedeutet dies, die Gewährleistung bringt euch als Käufer nur in den ersten 6 Monaten ab Kauf wirklich etwas. Anschließend seid ihr auf die Kulanz des Händlers oder die freiwillige Garantieleistung des Herstellers angewiesen.

Bauteil bei der Garantie ausgeschlossen, was ist bei Gewährleistung?

Bleiben wir bei dem Beispiel Auto. Hat der Hersteller Verschleißteile beispielsweise in den Garantiebedingungen ausgeschlossen, so hat dies keinen Einfluss auf die Gewährleistung. Löst sich beispielsweise ein Bremsbelag von der Grundplatte, so stellt dies einen Mangel am Produkt dar. Innerhalb der ersten 6 Monate seid ihr durch die Gewährleistung auf der sicheren Seite, unabhängig von den Garantiebedingungen. Übrigens: Entstehen durch den Mangel weitere nachweisliche Schäden am Auto (Bremssattel, Bremsscheibe, Unfall, …) so sind diese ebenfalls durch die Gewährleistung abgedeckt.

Fahrt ihr dagegen den Bremsbelag so weit runter, das dieser aufgrund von Abnutzung / Verschleiß getauscht werden muss, so stellt dies dagegen keinen Mangel am Produkt dar und ist nicht durch die Gewährleistung abgedeckt.

Wird ein Produkte im Rahmen der Gewährleistung repariert, braucht ihr als Käufer auch keinerlei Kosten übernehmen, auch wenn dies ggf. in den Bedingungen der Herstellergarantie (bspw. Arbeitszeit) anders formuliert wurde.

Ihr müsst allerdings daran denken, bezüglich der Gewährleistung ist zunächst der Händler euer Ansprechpartner und nicht der Hersteller. Wendet ihr euch bezüglich der Abwicklung (also in den ersten 6 Monaten) direkt an den Hersteller und erhaltet eine Rechnung (bspw. Arbeitszeit), so könnt ihr euch diesen Betrag nicht ohne weiteres vom Händler zurückholen, da ihr diesem keine Nachbesserung ermöglicht habt.

Tauschen oder reparieren?

Muss der Händler ein defektes Produkt währen der Gewährleistungszeit tauschen oder darf dieses auch repariert werden? Grundsätzlich hat der Händler das Recht nachzubessern, der Käufer hat also kein automatisches Recht auf ein neues Produkt. Häufig agiert ein Händler allerdings nach Gesichtspunkten der Verhältnismäßigkeit.

So werden insbesondere günstige oder schwer instandsetzbare Güter in der Regel durch ein neues Produkt ersetzt. So macht es beispielsweise auch Sinn, einen geklebten Sportschuh nicht nachzubessern, sondern auszutauschen. Im Gegensatz macht es keinen Sinn, bei einem defekten Kofferraumschloss direkt das komplette Auto auszutauschen.

Sonderfall Kauf von Privat, Gebrauchtware, B-Ware:

Kurz und knapp ohne näher darauf einzugehen. Auch beim Verkauf von B-Ware und Gebrauchtware muss der Händler laut Gesetzgeber eine Gewährleistung von 2 Jahren geben. Diese kann der Händler allerdings auf 12 Monate verkürzen, wenn er den Käufer hierauf hinweist.

Auch beim Verkauf von Ware zwischen Privatpersonen gibt es die Gewährleistung (1 Jahr). Verkauft ihr als Privatpersonen etwas, so könnt ihr Gewährleistung allerdings komplett ausschließen, wenn ihr den Käufer hierauf vorab hinweist (ihr kennt diesen netten kleinen Passus sicherlich von eBay). Wichtig dabei: Der Gegenstand muss natürlich der Beschreibung entsprechen. Ihr könnt natürlich nicht einen kaputten Gegenstand als einwandfrei verkaufen oder einen Mangel verschweigen und gleichzeitig die Gewährleistung ausschließen.

Gewährleistung, noch einmal zusammengefasst:

Gewährleistung ist gesetzlich geregelt. Nach 6 Monaten die erwähnte Beweislastumkehr und euch daher in der Regel nur in den ersten 6 Monaten nützlich.

Fazit Garantie / Gewährleistung:

Fassen wir nochmal zusammen. Garantie muss euch kein Hersteller geben, Gewährleistung habt ihr dagegen 2 Jahre. Diese bringt euch allerdings in der Regel nur 6 Monate weit, sollte das Produkt den Dienst quittieren. Im Anschluss seid ihr auf die Kulanz des Händlers oder die Garantie des Herstellers anwiesen.

Wenn es hart auf hart kommt: Gibt der Hersteller keine Garantie und ist der Händler nach Ablauf der ersten 6 Monate nicht kulant, könnt ihr das Produkt in der Regel entsorgen oder müsst die Kosten für die Instandsetzung selber tragen.

Best Practice Way

In den ersten 6 Monaten also bevorzugt an den Händler wenden, bei dem das Gerät erworben wurde. Im Anschluss an den Hersteller, wenn dieser eine Garantie für das Produkt anbietet.

Wissenswertes zum Thema:

Habe ich das Recht auf Geld zurück?

Jein, der Händler / Hersteller muss ein defektes Produkt im Falle eines Mangels oder Defekts nicht auf Wunsch des Käufers zurücknehmen (Rücktritt des Käufers vom Kauf) und den Kaufpreis zurückzahlen. Der Händler und auch der Hersteller (gilt bei Gewährleistung / Garantie) kann grundsätzlich zwei Mal versuchen nachzubessern und versuchen das Produkt zu reparieren. Tritt der Mangel dann allerdings ein weiteres Mal auf, kann der Käufer normalerweise vom Kauf zurück treten und den Kaufbetrag zurück fordern.

Hier können allerdings ggf. Nutzungsvorteile des Käufers angerechnet werden. Beispielsweise bei Rücktritt vom einem Autokauf 0,4-0,5 % des Kaufpreises pro zurückgelegte 1.000 Kilometer Laufleistung.

Garantie- / Gewährleistungsfall und wenn man keine Rechnung mehr hat

In der Regel hat muss der Kunde im Fall der Garantie oder Gewährleistung einen Kaufbeleg vorlegen. Kann er dies nicht, so hat der Kunde in der Regel ein Problem. Es macht daher Sinn – wie bereits unter Garantie angeregt – Kaufbelege und Rechnungen an einer zentralen Stelle im Haushalt zu sammeln.

Habt ihr das Produkt online erworben, so solltet ihr allerdings einmal schauen, ob ihr nicht über euer Benutzerkonto beim jeweiligen Händler noch an einen Beleg kommt. So kann man beispielsweise bei Amazon auch Jahre nach dem Kauf noch Belege einsehen und notfalls ausdrucken. Ebenso hat derjenige Glück, der seine Emails archiviert, denn häufig erhält man auf elektronischem Wege eine Rechnungskopie, welche häufig ebenfalls anerkannt wird.

Einige Hersteller sind jedoch auch so Kulant und entschlüsseln anhand der Seriennummern das Produktionsdatum. Liegt dieses innerhalb der Garantiezeit, so wird die Reklamation eventuell anerkannt. Dies stellt jedoch nur ein Entgegenkommen des jeweiligen Herstellers dar und nützt euch auch nichts, wenn das Produkt bereits vor dem Kauf längere Zeit auf Halde gelegen hat.

Geräte ohne Gewährleistung / Garantie reparieren lassen

Ist die Gewährleistung abgelaufen oder gibt es keine Garantie des Herstellers, muss man nicht direkt verzweifeln und ein neues Produkt kaufen. Bei Kleingeräten bieten viele Hersteller bspw. sogenannte Reparatur- oder Austauschpauschalen an, was viele Käufer nicht wissen. Viele Händler informieren auch nicht über die Pauschalen der Hersteller und dieser ist selbstverständlich – wie auch der Händler – durchaus am Verkauf eines neuen Produktes interessiert. Ob sich die Reparaturpauschale gegenüber dem Neukauf lohnt, muss man entsprechend beim jeweiligen Hersteller in Erfahrung bringen.

Für größere Geräte wie Waschmaschinen oder Computer finden sich dagegen viele Unternehmen, die ein defektes Gerät durchaus günstig wieder instandsetzen. Bei „weißer Ware“, „Kühlschränken“ oder „Herden“ sollte man bevorzugt den örtlichen Fachhändler mit Werkstatt ansprechen und nicht auf „gut Glück“ eine Nummer aus den gelben Seiten wählen. Hier landet man – wie bei Schlüsseldiensten – sonst ggf. bei Abzockern mit teuren Stundensätzen und noch teureren Anfahrtskosten.

Für Computer und insbesondere Notebooks bietet sich Google mit dem Suchbegriff „Notebook- oder PC – Doktor“ + PLZ an.

Links:

Musterbriefe bei der Verbraucherzentrale

Hinweis:

Wir haben versucht, das Thema für euch gewissenhaft zu recherchieren. Der Text stellt jedoch keinerlei Rechtsberatung dar. Sollte sich ein Fehler eingeschlichen haben, bitte melden, wir ergänzen oder ändern den Text dann entsprechend. Der Text behandelt Deutschland. In anderen Ländern (Österreich, Schweiz, etc.) gilt ggf. anderes Recht. Auf Sonderfälle, Verjährung und Sachmängelhaftung sind wir nicht eingegangen. Der Text basiert auf dem Zeitpunkt der Erstellung, dem 30.09.2010.

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